Trotz hoher Spritpreise bleibt die Nachfrage nach E-Mietwagen gering

Trotz hoher Spritpreise bleibt die Nachfrage nach E-Mietwagen gering

Steigende Kraftstoffpreise führen derzeit nicht automatisch zu einer stärkeren Nachfrage nach Elektro-Mietwagen. Aktuelle Branchenberichte zeigen, dass viele Reisende und Geschäftskunden bei der Buchung weiterhin zurückhaltend sind. Für Vermieter wie Sixt wird damit erneut deutlich, dass der Wechsel zur elektrischen Flotte nicht allein über den Preis an der Zapfsäule gesteuert wird.

Auch ein aktueller Bericht zur Position von Sixt-Chef Konstantin Sixt gegenüber den europäischen Vorgaben zur Elektrifizierung greift dieses Spannungsfeld auf. Die Branche muss ihre Flotten schrittweise anpassen, während Kunden ein Fahrzeug vor allem nach Verfügbarkeit, Reichweite, Ladeaufwand und Gesamtkosten auswählen. Für Mietwagenreisende in Deutschland bleibt deshalb die Frage wichtig, ob ein Elektroauto zur geplanten Strecke passt.

Warum der Preisvorteil an der Zapfsäule nicht genügt

Ein Elektro-Mietwagen kann im laufenden Betrieb günstiger sein als ein vergleichbarer Benziner. Das gilt besonders dann, wenn an einem günstigen Ladepunkt geladen wird oder der Vermieter das Laden im Mietpreis berücksichtigt. Dennoch vergleichen Kunden nicht nur den Verbrauch. Bei einer kurzen Reise zählen oft die einfache Abholung, eine vertraute Bedienung und die Möglichkeit, ohne zusätzliche Planung lange Strecken zu fahren.

Bei einem Verbrenner ist die Tankinfrastruktur für viele Reisende selbstverständlich. Tankstellen liegen an Autobahnen, in Städten und in der Nähe von Flughäfen. Beim Elektroauto muss dagegen geprüft werden, welche Ladepunkte entlang der Route verfügbar sind, wie schnell geladen werden kann und ob das Fahrzeug mit dem jeweiligen Ladetarif funktioniert. Dieser zusätzliche Planungsaufwand kann den finanziellen Vorteil im Alltag aus Sicht der Kunden relativieren.

Die wichtigsten Hürden bei der Buchung

  • Unsichere Reichweite: Die tatsächliche Reichweite hängt von Geschwindigkeit, Temperatur, Beladung und Heizung oder Klimaanlage ab.
  • Ladezeiten: Auch Schnellladen benötigt meist mehr Zeit als ein Tankstopp. Bei stark genutzten Stationen können Wartezeiten hinzukommen.
  • Unklare Ladekosten: Je nach Anbieter, Ladekarte und Standort unterscheiden sich die Preise erheblich.
  • Fahrzeugklasse: In der Buchung ist nicht immer eindeutig, welches konkrete Elektrofahrzeug bereitsteht und welche Ladeausstattung dazugehört.
  • Rückgabe: Kunden müssen die Vorgaben zum Ladezustand bei der Rückgabe beachten. Andernfalls können zusätzliche Gebühren entstehen.

Gerade bei der Anmietung an deutschen Flughäfen spielt die Zeit eine große Rolle. Wer nach einem langen Flug direkt weiterfahren möchte, plant ungern einen zusätzlichen Ladestopp unmittelbar nach der Fahrzeugübernahme ein. Für Geschäftsreisende ist zudem entscheidend, ob das Auto am Zielort über Nacht oder während eines Termins geladen werden kann.

Für welche Reisen ein E-Mietwagen sinnvoll sein kann

Elektro-Mietwagen sind nicht grundsätzlich die schlechtere Wahl. Sie können besonders gut zu kurzen bis mittleren Strecken passen, wenn Start und Ziel über eine zuverlässige Ladeinfrastruktur verfügen. Auch für Aufenthalte in Städten und Regionen mit vielen öffentlichen Ladepunkten kann ein E-Auto praktisch sein. Wer das Fahrzeug überwiegend im Stadtverkehr nutzt und am Hotel oder am Arbeitsplatz laden kann, profitiert eher von den niedrigen Betriebskosten.

Für einen Roadtrip mit mehreren langen Autobahnetappen sollten Reisende dagegen vor der Buchung genauer planen. Eine Route mit ausreichend Schnellladesäulen ist ebenso wichtig wie ein realistischer Zeitpuffer. Bei Reisen ins Ausland kommen unterschiedliche Bezahlsysteme, Mautregelungen und mögliche Roaming-Gebühren hinzu. Die Strecke sollte deshalb nicht nur nach Kilometern, sondern auch nach Ladeoptionen bewertet werden.

Darauf sollten Kunden vor der Abholung achten

Fahrzeug und Reichweite prüfen

Bei der Buchung sollte die Fahrzeugklasse möglichst genau dokumentiert werden. Wichtig sind die erwartbare Reichweite, die maximale Ladeleistung und die vorhandenen Ladekabel. Ein Fahrzeug mit kleiner Batterie kann für eine kurze Städtereise ausreichen, ist für eine lange Strecke aber weniger flexibel.

Ladeplanung vornehmen

Vor der Abfahrt empfiehlt sich eine kurze Routenplanung mit mehreren möglichen Ladepunkten. Reisende sollten nicht erst bei fast leerer Batterie nach einer Station suchen. Ein zusätzlicher Ladepunkt als Ausweichmöglichkeit kann insbesondere an Wochenenden und in Ferienzeiten sinnvoll sein.

Rückgaberegeln lesen

Vor der Übernahme sollten Kunden fotografieren, welchen Ladezustand das Fahrzeug hat, und die Rückgabevorgaben prüfen. Manche Vermieter verlangen einen bestimmten Mindeststand, andere rechnen das Nachladen über eine Pauschale ab. Diese Bedingungen gehören genauso zum Preisvergleich wie Selbstbeteiligung, Zusatzfahrer und Kilometerlimit.

Was die Entwicklung für den Mietwagenmarkt bedeutet

Die geringe Nachfrage nach Elektro-Mietwagen trotz höherer Spritpreise zeigt, dass die Elektrifizierung der Vermieterflotten nicht nur eine Kostenfrage ist. Anbieter müssen Fahrzeuge verfügbar machen, Ladeprozesse vereinfachen und Kunden verständlich über Reichweite und Gebühren informieren. Gleichzeitig können Reisende durch eine passende Auswahl dazu beitragen, dass das Fahrzeug tatsächlich zum eigenen Reiseprofil passt.

Für die nächste Mietwagenbuchung gilt daher: Ein Elektroauto sollte nicht allein wegen des hohen Benzinpreises gewählt werden. Wer Ladepunkte, Strecke und Rückgabebedingungen vorher prüft, kann die Vorteile nutzen und unangenehme Überraschungen vermeiden. Für spontane Langstrecken bleibt ein klassischer Antrieb für viele Kunden vorerst die unkompliziertere Lösung.

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