Die Diskussion über den schrittweisen Abschied vom Verbrennungsmotor erreicht zunehmend den Mietwagenmarkt. Sixt-Chef Alexander Sixt warnt vor Plänen für eine stärkere Elektrifizierung gewerblicher Fahrzeugflotten. Nach Berichten des Handelsblatts und weiterer Branchenmedien könnten verbindliche Vorgaben aus Sicht des Unternehmens zu höheren Mietwagenpreisen und praktischen Problemen bei der Fahrzeugversorgung führen.
Für Urlauber und Geschäftsreisende ist dabei weniger die politische Debatte entscheidend als die Frage, was sich bei der Buchung konkret verändert. Elektroautos werden in den Flotten sichtbarer, sind aber nicht für jede Strecke und jeden Reiseplan gleich gut geeignet. Wer einen Mietwagen am Flughafen übernimmt, sollte deshalb Reichweite, Ladeinfrastruktur und Rückgaberegeln stärker in die Auswahl einbeziehen.
Warum die Elektroquote für Vermieter schwierig ist
Mietwagenunternehmen erneuern ihre Flotten regelmäßig und müssen Fahrzeuge flexibel an unterschiedlichen Standorten einsetzen können. Ein Auto, das heute am Flughafen München gebraucht wird, kann wenige Tage später an einem anderen deutschen oder europäischen Standort stehen. Diese Logistik funktioniert mit Fahrzeugen unterschiedlicher Antriebsarten nicht immer gleich einfach.
Bei Elektroautos kommen zusätzliche Faktoren hinzu. Die Fahrzeuge müssen geladen werden, bevor sie an Kunden übergeben werden. An stark frequentierten Stationen kann die Zahl der Ladepunkte begrenzt sein. Außerdem hängt die tatsächlich verfügbare Reichweite unter anderem von Geschwindigkeit, Außentemperatur, Beladung und Nutzung der Heizung oder Klimaanlage ab. Für einen Kurztrip in der Stadt ist das meist weniger problematisch als für eine lange Rundreise.
Sixt verweist laut den aktuellen Berichten außerdem auf mögliche Mehrkosten. Dazu zählen nicht nur die Anschaffung der Fahrzeuge, sondern auch Ladeinfrastruktur, Flottensteuerung und der Umgang mit unterschiedlichen Restwerten. Ob diese Kosten vollständig an Kunden weitergegeben werden, lässt sich derzeit nicht pauschal sagen. Mietwagenpreise hängen weiterhin stark von Saison, Standort, Fahrzeugklasse, Auslastung und Buchungszeitpunkt ab.
Elektro-Mietwagen werden nicht automatisch günstiger
Ein Elektroauto kann im laufenden Betrieb Vorteile bieten, etwa bei den Energiekosten oder bei der Nutzung in Umweltzonen. Für Mietkunden entsteht daraus aber nicht automatisch ein günstigerer Tarif. Der Preis der Anmietung umfasst auch Versicherung, Wartung, Finanzierung, Logistik und die Kosten für die Bereitstellung am jeweiligen Standort.
Aktuelle Branchenberichte deuten zugleich darauf hin, dass die Nachfrage nach Elektro-Mietwagen trotz steigender Spritpreise bislang nicht überall stark genug ist. Das erschwert die Planung für Vermieter. Wenn ein Elektrofahrzeug am falschen Standort steht oder nur kurze Zeit vermietet wird, sinkt die Wirtschaftlichkeit. Für Kunden kann das bedeuten, dass die Auswahl je nach Flughafen und Reiseziel deutlich stärker schwankt als bei klassischen Kompakt- oder Kombifahrzeugen.
Was Reisende bei der Buchung beachten sollten
- Fahrzeugklasse prüfen: Eine Buchung kann je nach Anbieter eine Modellgruppe statt eines konkreten Fahrzeugs umfassen. Prüfen Sie deshalb, ob ein Elektroauto garantiert oder nur möglich ist.
- Reichweite realistisch einschätzen: Für eine Fahrt über mehrere hundert Kilometer sollte die geplante Strecke mit Ladepausen kalkuliert werden. Eine zusätzliche Reserve ist besonders bei Winterreisen sinnvoll.
- Ladekarte und App klären: Fragen Sie vor der Abfahrt, welche Ladekarte oder App verwendet wird und ob die Abrechnung bereits im Tarif enthalten ist.
- Rückgabe dokumentieren: Bei Elektrofahrzeugen kann ein bestimmter Ladezustand bei der Rückgabe verlangt werden. Fotografieren Sie den Kilometerstand und den Ladezustand bei Übergabe und Rückgabe.
- Standort vergleichen: Preise und Fahrzeugauswahl können sich zwischen Innenstadtstation, Flughafen und Bahnhof deutlich unterscheiden. Ein kurzer Vergleich mehrerer Abholorte kann sich lohnen.
Flughäfen bleiben ein wichtiger Test für die Flottenwende
Besonders sichtbar wird die Entwicklung an großen deutschen Flughäfen. Dort treffen Geschäftsreisende mit engem Zeitplan auf Urlauber mit Gepäck und häufig langen Anschlussstrecken. Eine schnelle Fahrzeugübergabe und eine verlässliche Rückgabe sind für beide Gruppen wichtiger als eine bestimmte Antriebsart.
Für reine Stadtfahrten oder kurze Transfers kann ein Elektro-Mietwagen gut passen. Wer dagegen eine Ferienregion mit dünnem Ladenetz erkundet, sollte vor der Buchung die Verfügbarkeit öffentlicher Ladepunkte entlang der Route prüfen. Das gilt auch für grenzüberschreitende Roadtrips, bei denen unterschiedliche Ladeanbieter und Bezahlsysteme zum Einsatz kommen können.
Die Auswahl dürfte stärker vom Reisezweck abhängen
Die Warnungen von Sixt bedeuten nicht, dass Verbrenner kurzfristig aus allen Mietwagenflotten verschwinden. Sie zeigen jedoch, dass die Umstellung für Vermieter komplexer ist als ein einfacher Austausch der Fahrzeuge. Branchenberichte nennen neben den EU-Vorgaben auch Infrastrukturfragen, Nachfrage und wirtschaftliche Risiken als zentrale Themen.
Für Reisende wird die Antriebswahl damit zu einem Bestandteil der Reiseplanung. Wer maximale Flexibilität auf langen Strecken benötigt, sollte die Fahrzeugklasse, Tank- oder Ladebedingungen und die erwarteten Zusatzkosten vor der Buchung vergleichen. Für kurze Fahrten in Städten kann ein Elektroauto dagegen eine praktische Option sein. Entscheidend bleibt, dass der Mietvertrag klare Angaben zu Reichweite, Ladezustand, Abrechnung und Rückgabe enthält.

