Der US-Autovermieter Hertz nimmt bei Elektrofahrzeugen eine Kurskorrektur vor und will den Anteil der Stromer in seiner Flotte reduzieren. Aktuelle Branchenberichte ordnen diesen Schritt in ein schwierigeres Marktumfeld für Autovermieter ein. Für Kunden in Deutschland und Europa bedeutet das nicht, dass Elektro-Mietwagen verschwinden. Die Auswahl dürfte jedoch stärker vom Standort, der Nachfrage und der jeweiligen Fahrzeugklasse abhängen.
Hertz hatte den Ausbau von Elektrofahrzeugen in den vergangenen Jahren deutlich vorangetrieben. Inzwischen zeigt sich, dass die Vermietung von Stromern im täglichen Betrieb besondere Anforderungen stellt. Dazu gehören die Verfügbarkeit von Ladepunkten, unterschiedliche Ladezeiten, schwankende Restwerte und die Frage, wie gut Kunden mit der Reichweitenplanung vertraut sind. Für Mietwagenanbieter zählen außerdem die Kosten der Flottenhaltung und eine möglichst einfache Fahrzeugübergabe.
Warum Hertz die Strategie anpasst
Ein Elektroauto lässt sich nicht genauso unkompliziert vermieten wie ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Nach der Rückgabe muss der Ladezustand geprüft werden. Bei der nächsten Übergabe kann es notwendig sein, das Fahrzeug nachzuladen. Gerade an stark frequentierten Flughäfen oder kleineren Stationen kann dieser zusätzliche Ablauf die Einsatzplanung erschweren.
Hinzu kommt, dass Elektrofahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt zuletzt mit stärkerem Preisdruck konfrontiert waren. Für einen Autovermieter ist das relevant, weil die späteren Verkaufserlöse bereits bei der Anschaffung in die Kalkulation einfliessen. Eine Flotte mit einem hohen Anteil an Stromern kann daher wirtschaftlich anspruchsvoller sein, wenn Nachfrage und Wiederverkaufswerte nicht den Erwartungen entsprechen.
Die Entwicklung ist zugleich ein Hinweis darauf, dass die Elektrifizierung der Mietwagenbranche nicht linear verläuft. Anbieter testen weiterhin verschiedene Antriebe, reagieren aber stärker auf tatsächliche Buchungszahlen und die Erfahrungen der Kunden. In der aktuellen Berichterstattung zum Mietwagenmarkt wird zudem deutlich, dass mehrere Unternehmen mit Kosten- und Auslastungsfragen umgehen müssen.
Was sich bei der Buchung ändern kann
Für Reisende dürfte vor allem die Verfügbarkeit einzelner Modelle schwanken. Wer gezielt ein Elektroauto buchen möchte, sollte nicht nur auf den Namen der Fahrzeugklasse achten. Entscheidend ist, ob in der Reservierung tatsächlich ein Elektrofahrzeug zugesichert wird oder lediglich ein Modell aus einer gemischten Kategorie. Bei vielen Mietwagenbuchungen gilt weiterhin: Die angegebene Marke und das konkrete Modell sind nicht garantiert.
- Fahrzeugklasse prüfen: Achten Sie auf die Antriebsart und darauf, ob Elektrofahrzeuge ausdrücklich genannt werden.
- Station vergleichen: Die Auswahl kann an grossen Flughäfen grösser sein als an kleinen Stadtstationen.
- Ladebedingungen lesen: Prüfen Sie, ob ein Mindestladestand bei der Rückgabe verlangt wird und welche Gebühren bei Unterschreitung entstehen.
- Reichweite realistisch einschätzen: Autobahnfahrten, niedrige Temperaturen und volle Beladung können die Reichweite deutlich reduzieren.
- Grenzfahrten melden: Bei Roadtrips ins Ausland gelten je nach Vertrag Einschränkungen für bestimmte Länder oder Regionen.
Besonders wichtig bei Flughafentransfers
Für einen kurzen Flughafentransfer kann ein Elektro-Mietwagen sehr praktisch sein. Die Fahrtstrecke ist meist überschaubar, und das Fahrzeug steht häufig nur wenige Tage zur Verfügung. Anders sieht es bei einer Rundreise mit mehreren Etappen aus. Dann sollte bereits vor der Abfahrt geklärt werden, wo entlang der Strecke geladen werden kann und welche Ladezeiten realistisch sind.
Am Flughafen sollten Kunden bei der Übernahme den Ladezustand, vorhandene Ladekabel und mögliche Schäden dokumentieren. Ein Foto des Displays kann später helfen, den Ausgangszustand nachzuweisen. Ebenso wichtig ist die Frage, ob das Fahrzeug mit einem eigenen Ladekabel übergeben wird oder ob öffentliche Ladestationen genutzt werden müssen. Nicht jede Station akzeptiert dieselben Apps, Karten oder Bezahlsysteme.
Wer nur wenig Erfahrung mit Elektroautos hat, sollte sich bei der Übergabe die wichtigsten Funktionen erklären lassen. Dazu gehören die Anzeige der Reichweite, das Starten des Ladevorgangs und die Navigation zu Ladestationen. Bei einer späten Ankunft oder einer Weiterfahrt unmittelbar nach der Landung kann ein Verbrenner die planbarere Wahl sein.
Elektroauto oder Verbrenner für den Roadtrip?
Die Entscheidung hängt weniger vom allgemeinen Image des Antriebs als von der konkreten Reise ab. Für eine Städtereise mit kurzen Wegen und einer festen Unterkunft kann ein Elektroauto gut passen. Wer dagegen abgelegene Regionen besucht, viele Kilometer an einem Tag fährt oder einen engen Zeitplan hat, sollte die Ladeinfrastruktur am Zielort genauer prüfen.
Auch die Kosten lassen sich nicht pauschal vergleichen. Der Mietpreis, mögliche Ladegebühren, Autobahngebühren und die Rückgaberegeln gehören in die Gesamtrechnung. Ein vermeintlich günstiger Elektro-Mietwagen kann unpraktisch werden, wenn am Ende der Reise ein zusätzlicher Ladestopp oder eine Gebühr wegen eines zu niedrigen Ladezustands anfällt.
Das sollten Kunden jetzt beachten
Hertz’ Rückzug bei Elektrofahrzeugen ist vor allem ein Signal für eine vorsichtigere Flottenplanung. Reisende müssen deshalb nicht grundsätzlich auf einen Stromer verzichten, sollten aber mit einer weniger einheitlichen Verfügbarkeit rechnen. Wer flexibel bleibt, kann je nach Station weiterhin passende Angebote finden. Für wichtige Termine, lange Roadtrips oder Transfers mit wenig Zeitreserve empfiehlt sich jedoch eine Buchung, bei der Antriebsart und Rückgabebedingungen möglichst klar ausgewiesen sind.
Vor der Abfahrt lohnt sich ein kurzer Check: Ist das Ladekabel vorhanden, passt die Lade-App zur geplanten Route und reicht die Reichweite für die erste Etappe? Wer diese Punkte klärt, kann die Vorteile eines Elektro-Mietwagens nutzen und unangenehme Überraschungen bei Abholung oder Rückgabe vermeiden.
Bild: Yonikasz, CC BY-SA 4.0.

