Die Diskussion über das Verbrenner-Verbot erreicht zunehmend den Mietwagenmarkt. Sixt hat sich in aktuellen Berichten zur künftigen Rolle von Benzin- und Dieselfahrzeugen geäussert. Für Reisende ist dabei weniger die politische Debatte entscheidend als die praktische Frage, welche Fahrzeuge an Flughäfen und Stationen künftig verfügbar sind.
Die Flottenstrategie grosser Autovermieter beeinflusst die Auswahl, die Preise und auch den Reiseablauf. Elektroautos werden zwar häufiger angeboten, ihre Verfügbarkeit ist jedoch nicht an jedem Standort gleich. Gleichzeitig zeigen Branchenberichte, dass die Nachfrage nach Elektro-Mietwagen trotz hoher Kraftstoffpreise bislang nicht überall stark genug ist, um Verbrenner kurzfristig vollständig zu ersetzen.
Sixt setzt offenbar nicht auf einen abrupten Wechsel
Der aktuelle Tenor rund um Sixt deutet auf einen schrittweisen Übergang statt auf eine sofortige Umstellung der gesamten Flotte hin. Das Unternehmen muss mehrere Faktoren gleichzeitig berücksichtigen: die Nachfrage der Kunden, die Kosten für Fahrzeuge, den Wiederverkaufswert sowie die Ladeinfrastruktur an den jeweiligen Stationen.
Für einen Autovermieter ist ein Elektroauto zudem anders zu planen als ein klassischer Benziner. Ein Verbrenner kann nach der Rückgabe in wenigen Minuten betankt und erneut vermietet werden. Bei einem Elektrofahrzeug müssen Ladezeit, Ladepunkt und der tatsächliche Batteriestand in die Einsatzplanung einbezogen werden. An stark frequentierten Flughäfen kann dieser Unterschied besonders relevant sein.
Berichte über frühere Anpassungen bei der Auswahl einzelner Elektromodelle zeigen ausserdem, dass nicht jedes Fahrzeug gleich gut für den Vermietbetrieb geeignet ist. Eine Rolle spielen dabei unter anderem Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Bedienkomfort und die Akzeptanz bei Kunden, die erstmals elektrisch fahren.
Was das für die Buchung am Flughafen bedeutet
Wer einen Mietwagen am Flughafen Berlin, München oder an einem anderen grossen Standort übernimmt, sollte sich nicht allein auf die Fahrzeugklasse verlassen. Die Bezeichnung «kompakt», «Mittelklasse» oder «Automatik» garantiert nicht immer einen bestimmten Antrieb. Je nach Tarif kann ein Elektrofahrzeug, ein Hybrid oder ein Benziner bereitgestellt werden.
- Antrieb prüfen: Achten Sie bei der Buchung auf Hinweise wie Elektrofahrzeug, Hybrid oder Verbrenner. Falls der Antrieb nicht eindeutig genannt wird, lohnt sich eine Nachfrage beim Vermieter.
- Reichweite realistisch einschätzen: Kälte, Autobahntempo, Gepäck und Heizung können die Reichweite eines Elektroautos deutlich beeinflussen.
- Ladepunkte vorab suchen: Für Roadtrips sollten Schnellladestationen entlang der Strecke und am Zielort bekannt sein.
- Rückgaberegeln lesen: Prüfen Sie, mit welchem Ladezustand das Fahrzeug zurückgegeben werden muss und welche Kosten bei Abweichungen entstehen.
- Fahrzeugklasse nicht überbewerten: Bei einer Reise mit mehreren Personen oder viel Gepäck kann die nutzbare Reichweite wichtiger sein als ein günstiger Einstiegspreis.
Verbrenner bleiben für viele Roadtrips praktisch
Für kurze Stadtfahrten kann ein Elektro-Mietwagen eine passende Wahl sein. Die Strecken sind überschaubar, das Fahrzeug steht häufig über Nacht an einer Lademöglichkeit und lokale Fahrten lassen sich gut planen. Anders sieht es bei einer Rundreise mit mehreren Etappen aus. Wer täglich lange Autobahnstrecken fährt, abgelegene Regionen besucht oder Fähren und feste Termine erreichen muss, benötigt mehr Planung.
Ein Benziner oder Diesel bietet in solchen Fällen weiterhin Vorteile bei der spontanen Weiterfahrt. Tankstellen sind in vielen europäischen Reiseländern dichter verteilt als Schnellladestationen. Das bedeutet nicht, dass Elektroautos für Fernreisen ungeeignet sind. Der Zeitaufwand für Ladepausen sollte jedoch bereits bei der Routenplanung berücksichtigt werden.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen der theoretischen WLTP-Reichweite und der Reichweite im Reisealltag. Mietwagenkunden sollten sich vor der Übernahme erklären lassen, wie das Navigationssystem Ladestationen anzeigt, welche Ladekarte zum Fahrzeug gehört und ob die Nutzung bestimmter Ladeanbieter freigeschaltet ist.
Die Nachfrage entscheidet über das Angebot
Die Entwicklung bei Sixt steht stellvertretend für eine Herausforderung der gesamten Branche. Autovermieter müssen ihre Flotten elektrifizieren, ohne Fahrzeuge anzubieten, die am jeweiligen Standort nur selten gebucht werden. Bleibt die Nachfrage nach Elektroautos gering, kann das Angebot langsamer wachsen oder stärker auf einzelne Flughäfen und Städte konzentriert werden.
Für Kunden kann das zu unterschiedlichen Erfahrungen führen. In einer Innenstadtstation ist ein Elektrofahrzeug möglicherweise leicht verfügbar, während an einem kleineren Ferienflughafen vor allem Benziner bereitstehen. Auch der Preisvergleich kann komplizierter werden, weil Energiekosten, Ladekosten und mögliche Zusatzgebühren nicht immer direkt im Tagespreis sichtbar sind.
Worauf Reisende jetzt achten sollten
Die Aussagen zur Zukunft des Verbrenners bedeuten für Mietwagenkunden zunächst keine sofortige Einschränkung. Wer flexibel bleiben möchte, sollte bei der Buchung den gewünschten Antrieb ausdrücklich auswählen und die Bedingungen zur Fahrzeugbereitstellung prüfen. Bei längeren Fahrten empfiehlt sich ausserdem ein kurzer Lade- oder Tankplan mit Reserven für Umwege und Wartezeiten.
Für Geschäftsreisende mit engem Zeitplan kann ein Verbrenner derzeit die unkompliziertere Option sein. Urlauber mit festen Unterkünften und Lademöglichkeit profitieren dagegen möglicherweise von einem Elektroauto. Entscheidend ist daher nicht das Etikett «modern» oder «klimafreundlich», sondern die passende Kombination aus Strecke, Aufenthaltsdauer, Ladeinfrastruktur und persönlicher Erfahrung.
Die Debatte um das Verbrenner-Verbot wird den Mietwagenmarkt weiter verändern. Für die kommenden Jahre ist jedoch mit gemischten Flotten zu rechnen. Kunden sollten deshalb bei jeder Buchung genau prüfen, welcher Antrieb angeboten wird und welche Anforderungen daraus für den eigenen Roadtrip entstehen.

