Ferien ohne festen Plan, ohne Zwang, einfach nur Freiheit – dafür steht das Reisen mit dem Mietwagen. Doch damit der Urlaub entspannt beginnt, ist die richtige Vorbereitung bei der Buchung entscheidend. Wir zeigen, worauf deutsche Urlauber, die im Ausland einen Mietwagen buchen, besonders achten müssen, um versteckte Kosten und unnötigen Stress zu vermeiden.
1. Die Wahl des richtigen Fahrzeugs und der passenden Klasse
Bevor Sie buchen, sollten Sie sich fragen, welche Art von Reise vor Ihnen liegt. Berücksichtigen Sie nicht nur die Anzahl der Mitreisenden, sondern auch das Gepäckvolumen und die Beschaffenheit der Straßen am Urlaubsort.
Fahrzeugkategorien und ungefähre Tagespreise (Beispiel Spanien, Hauptsaison):
| Kategorie | Empfehlung | Durchschnittspreis (pro Tag) |
|---|---|---|
| Kleinwagen | Städtetrips, enge Altstädte (z.B. Fiat 500) | ab 40 EUR/Tag |
| Kompaktklasse | Paare, kürzere Strecken (z.B. VW Golf) | ab 55 EUR/Tag |
| Mittelklasse | Familien, längere Autobahnfahrten (z.B. Skoda Octavia) | ab 70 EUR/Tag |
| SUV | Bergige Regionen, viel Gepäck (z.B. Nissan Qashqai) | ab 85 EUR/Tag |
Achtung: Die Preise variieren stark je nach Saison, Buchungszeitpunkt und Anmietort. Alle Angaben in Euro, da Spanien und Deutschland die Währungszone teilen.
Tipp für bergige Regionen: Buchen Sie mindestens die Kompaktklasse oder einen SUV. Ein kleiner Motor kann bei voller Zuladung in den Bergen schnell an seine Grenzen stoßen. Achten Sie auf die Angabe des Motorleistung bei der Buchung.
2. Die Versicherungsfrage: Vollkasko ohne Selbstbeteiligung
Die Versicherung ist oft der Posten, wo Urlauber unnötig sparen – und im Schadenfall teuer bezahlen. Als deutscher Reisender sind Sie hohe Sicherheitsstandards gewohnt; verzichten Sie im Ausland nicht darauf.

Wichtige Versicherungsbestandteile:
- Vollkaskoschutz (CDW) ohne Selbstbeteiligung: Dies ist die wichtigste Option. Sie eliminiert Ihr finanzielles Risiko bei selbstverschuldeten Schäden oder Vandalismus. Vermeiden Sie Angebote mit hoher Selbstbeteiligung, es sei denn, Sie haben bereits eine separate Kaskoversicherung, die diese Selbstbeteiligung abdeckt (oft durch Kreditkarten).
- Diebstahlschutz (TP): Meist im CDW enthalten, aber prüfen Sie die Deckungssumme.
- Haftpflichtversicherung: Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestdeckung im Reiseland ist oft viel zu niedrig, um Personenschäden im schlimmsten Fall abzudecken. Stellen Sie sicher, dass die Police eine erhöhte Deckungssumme (mindestens 1 Million Euro) beinhaltet. Viele europäische Vermieter bieten dies standardmäßig an, außerhalb der EU sollte dies jedoch explizit geprüft oder hinzu gebucht werden.
Wichtige Ausnahme: Schäden an Reifen, Glas, Unterboden und Dach sind oft von der Standard-Vollkasko ausgeschlossen. Buchen Sie einen speziellen Schutz, der diese Teile abdeckt, besonders wenn Sie planen, auf schlechten Straßen zu fahren.
3. Was Sie zur Abholung mitbringen müssen
Um Verzögerungen und böse Überraschungen am Schalter zu vermeiden, stellen Sie sicher, dass Sie alle erforderlichen Dokumente dabeihaben. Dies gilt insbesondere für deutsche Reisende, die außerhalb der Europäischen Union fahren.
- Führerschein: Der deutsche Führerschein ist fast überall in Europa ausreichend.
- Internationaler Führerschein: Erforderlich oder dringend empfohlen in vielen Ländern außerhalb Europas (z.B. USA, Argentinien, Thailand). Holen Sie ihn vorab bei Ihrer lokalen Fahrerlaubnisbehörde.
- Ausweis/Reisepass: Immer im Original vorlegen.
- Kreditkarte (auf den Namen des Hauptfahrers): Absolut zwingend für die Kaution. Prepaid-Karten, Debitkarten oder Bankkarten werden fast nie akzeptiert. Die Karte muss auf den Namen der Person lauten, die den Vertrag unterschreibt.
- Buchungsbestätigung: Ausdruck in Papierform erleichtert den Prozess oft erheblich.
4. Die leidige Tankregelung
Oft werden Tarife mit der Regelung Voll/Voll (Full/Full) empfohlen. Das bedeutet, Sie erhalten das Auto vollgetankt und bringen es vollgetankt zurück (Tankfüllung in Litern).
Vorsicht bei den Konstellationen Voll/Leer oder Voll/Voll mit Vorauskauf: Hier zahlen Sie für eine Tankfüllung, die Sie am Ende oft nicht vollständig verbrauchen können, und der Literpreis ist beim Vermieter meist deutlich teurer als an der Tankstelle.
5. Die Kaution: Immer im Blick behalten

Die Kaution dient dem Vermieter als Sicherheitsleistung für Schäden, Diebstahl oder nicht vollgetankte Fahrzeuge. Die Höhe variiert stark nach Fahrzeugklasse und Mietland.
- Innerhalb der EU: oft zwischen 300 und 1.500 Euro (EUR), abhängig vom Fahrzeug. Die Summe wird auf Ihrer Kreditkarte blockiert.
- Außerhalb der EU: Kann in Argentinischen Pesos (ARS), US-Dollar (USD) oder der lokalen Währung erhoben werden. Bei Reisen nach Island beispielsweise muss man je nach Modell mit einer Kaution von 40.000 ISK bis 150.000 ISK (ca. 270 EUR bis 1.000 EUR) rechnen.
Stellen Sie sicher, dass Ihr Kreditkartenlimit ausreichend hoch ist, um diesen Betrag plus potenzielle Urlaubsausgaben zu decken.
6. Praktische Tipps für die Übernahme
Der Moment der Fahrzeugübergabe ist entscheidend, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden:
Schäden dokumentieren: Machen Sie Fotos und Videos von allen* bestehenden Schäden (Kratzer, Dellen, Risse – inklusive Dach und Unterboden), bevor Sie losfahren. Bestehen Sie darauf, dass diese Schäden im Übergabeprotokoll vermerkt werden.
- Funktionsprüfung: Testen Sie Lichter, Blinker, die Klimaanlage und die Fensterheber.
- Kilometerstand & Tankfüllung: Protokollieren Sie den genauen Stand.
- Navigation / GPS: Viele Vermieter berechnen horrende Gebühren für eingebaute GPS-Systeme. Überlegen Sie, ob Ihr Smartphone (mit Offline-Karten) oder ein eigenes GPS-Gerät eine günstigere Alternative darstellt.
7. Besondere Regelungen im Ausland
Als deutscher Autofahrer sollten Sie sich unbedingt mit den lokalen Verkehrsvorschriften vertraut machen. Was in Deutschland selbstverständlich ist, kann andernorts teuer werden.
- Mautstraßen: In vielen Ländern (z.B. Portugal, Italien, Frankreich) gibt es elektronische Mautsysteme. Klären Sie im Voraus, ob der Mietwagen bereits entsprechend ausgestattet ist (z.B. mit einem Transponder) und wie die Abrechnung erfolgt.
- Umweltzonen (ZTL): Besonders in italienischen Städten sind diese Zonen streng überwacht. Das Befahren ohne Genehmigung (die Mietwagen meist nicht haben) führt zu hohen Bußgeldern, oft nachträglich durch den Vermieter in Rechnung gestellt.
- Alkoholgrenze: Die Promillegrenzen sind oft deutlich niedriger als in Deutschland (manchmal 0,0 Promille, z.B. in Tschechien). Fahren Sie im Zweifel nüchtern.
- Geschwindigkeitsbegrenzungen: Mancherorts werden Vergehen deutlich strenger bestraft als in der Bundesrepublik. Eine gründliche Recherche der örtlichen Bußgeldkataloge lohnt sich. Ein nützlicher Anhaltspunkt bietet die Seite des ADAC.
Grenzübertritte: Planen Sie einen Roadtrip über mehrere Ländergrenzen hinweg? Dies muss IMMER vorher mit dem Vermieter abgesprochen werden. Für viele Länder (z.B. einige osteuropäische Staaten) ist der Grenzübertritt mit dem Mietwagen untersagt oder mit hohen Gebühren verbunden. Klären Sie dies unbedingt vor der Buchung, da ansonsten der Versicherungsschutz erlischt.

